Die ausländischen Direktinvestitionen seit 1990 belaufen sich auf ca. 43 Mrd. USD. Rund 35.000 polni¬sche Firmen arbeiten mit ausländischem Kapital.
Investitionen mit einem Wert von über 1 Mio. USD wurden von 799 Firmen realisiert. Die größten Investoren sind die koreanische Firma DAEWOO mit 1,55 Mrd. USD gefolgt von FIAT mit 1,47 Mrd. USD, VIVENDI aus Frankreich mit 1,20 Mrd. USD und UNITED PAN-EUROPE COMMUNICATIONS aus den Niederlanden mit 1,15 Mrd. USD.
Große Investitionen erreichten die Banken, zum Beispiel über die UNICREDITO ITALIANO aus Italien, die BAYERISCHE HYPO-UND VEREINSBANK AG aus Deutschland, die ALLIED IRISH BANK aus Irland, die ING GROUP NV aus den Niederlanden, die COMMERZBANK AG aus Deutschland, die CITIBANK aus den USA und die DEUTSCHE BANK AG aus Deutschland.
In die Nahrungsgüterindustrie investierten u. a. COCA COLA aus den USA, NESTLE aus der Schweiz, HARBIN aus den Niederlanden und CADBURY SCHWEPPES aus Großbritannien, im Maschinen- und Anlagenbau ABB aus Schweden und der Schweiz und THOMSON MULTI MEDIA aus Frankreich, in der Papierindustrie IPC aus den USA und in der Glasindustrie SAINT GOBAIN aus Frankreich und PILKING-TON INTERNATIONAL HOLDINGS aus Großbritannien. Die größten ausländischen Investoren planen für die nächsten Jahre weitere Investitionen von über 3,39 Mrd. USD (Quelle: PAIZ, Polnische Agentur für Ausländische Investitionen, Februar 2000).
Vorbemerkungen
Aus der Untersuchung ging eindeutig hervor, dass das außenwirtschaftliche EngaÂgement der Handwerksbetriebe aus der Region Cottbus bislang im Vergleich zu anderen Regionen nur unterdurchschnittlich entwickelt ist. Hierfür sind verschieÂdene Gründe verantwortlich. Der wichtigste ist sicher die derzeit sehr schwierige wirtschaftliche Situation des Handwerks in den neuen Bundesländern verbunden mit einer äußerst geringen Eigenkapitalausstattung und besorgniserregenden KreditÂrestriktionen. Daneben sollten aber auch die außenwirtschaftlichen Hilfen der HandÂwerkskammer Cottbus weiter ausgebaut werden. Denn aus allen bisherigen Untersuchungen über die Auslandstätigkeit von Handwerksbetrieben geht eindeutig
Dabei sollten die Hilfen der Kammer sehr früh ansetzen, denn die Betriebe müssen häufig erst einmal sensibilisiert werden, dass eine Außenwirtschaftstätigkeit überÂhaupt für sie eine unternehmerische Option darstellt. Erschwert wird das unterÂnehmerische Handeln dadurch, dass für die meisten Handwerker das ZusammenÂwachsen der Euroregion Spree-Neiße-Bober keine Priorität besitzt.
Zur Zeit existieren bereits einige Maßnahmen zur Förderung der transnationalen Zusammenarbeit, die von der EU vor allem im Rahmen des Programms “GemeinÂsam mit Europa wachsen” (”Growing together with Europe”) getragen werden. In diesem Programm, das mit insgesamt 13 Mio. EUR ausgestattet ist und unter TräÂgerschaft der ARGE 28 steht, werden u.a. gefördert:
• Managementtraining und Beratung von KMU zur Entwicklung und Umsetzung
neuer Geschäftsideen im Hinblick auf die Erweiterung,
• KMU-Erfahrung saustausch,
• geeignete Seminare,
• Informations Veranstaltungen,
• Einsatz von Spezialisten/Beratern in einzelnen Unternehmen,
• Schaffung einer grenzüberschreitenden Einrichtung zur Bildung von KooperatiÂ
onsnetzen,
• sektorale und regionale Marktuntersuchungen in den MOEL,
• Projekte zur Förderung grenzüberschreitender Kooperationen.
Die Umsetzung dieser Maßnahmen auf regionaler Ebene ist bislang nur schleppend angelaufen, was sicher auch mit dem Interesse der Handwerker zu tun hat. Die Handwerkskammer Cottbus intensiviert derzeit ihre diesbezüglichen AnstrengunÂgen.
Die interviewten Handwerksunternehmen, die alle schon außenwirtschaftliche Erfahrungen aufweisen, äußerten folgende Wünsche bzw. Vorschläge:
• zielgerichtete Informationen über die Erweiterung,
• Durchführung von Unternehmertreffen mit Kollegen aus Polen zum KennenlerÂ
nen,
• Organisation gemeinsamer Messebeteiligungen (oder Messebesuche),
• bessere Information über Fördermittel,
• Maßnahmen zur Erhöhung der Eigenkapitalbasis der Unternehmen,
• Verbesserung der grenzüberschreitenden Infrastruktur,
• Erleichterung der Zollbedingungen,
• mehr Information über Ausfuhrbestimmungen, Steuern und Zölle.
Vorschläge
Vor diesem Hintergrund werden folgende Vorschläge unterbreitet:
> Errichtung einer Außenwirtschaftsberatungsstelle bei der Handwerkskammer
Cottbus mit folgenden Aufgaben (wobei einige dieser Aktivitäten bislang von
der Handwerkskammer bereits im Rahmen der allgemeinen betriebswirtschaftliÂ
chen Beratung durchgeführt werden):
• Aufbau und Führen einer Datenbank mit existenten und potenziellen handÂ
werklichen Exporteuren inkl. einer grenzüberschreitenden Kooperationsbörse,
• Organisation und Durchführung von Ländersprechtagen bzw. von UnternehmerÂ
reisen nach Polen und in andere MOEL,
• Intensivierung der Beratungen von Exportbetrieben inkl. Coaching,
• Sammlung und praxisgerechte Aufbereitung von Informationen über handÂ
werksrelevante Märkte in den MOEL,
• Organisation von gemeinsamen Messebeteiligungen,
• Angebot von Erfa-Gruppen von Handwerksunternehmen mit AuslandserfahÂ
rungen,
• Sichtung der Förderprogramme der EU nach möglicher Handwerksrelevanz und
Bereitstellung von Informationen über relevante Förderprogramme von EU,
Bund und Land für die Betriebe,
• Funktion als Ansprechpartner für spezielle Außenwirtschaftsstellen in den
MOEL (z.B. Deutsch-Polnische Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Deutsche
Auslandshandelskammern in den MOEL, Haus der Wirtschaft in Stettin),
• Sammlung von Adressen geeigneter Rechtsanwälte, Notare, UnternehmensbeÂ
rater mit detaillierten Kenntnissen über den polnischen Markt bzw. das polniÂ
sche Rechtssystem,
• Bereitstellung von Informationen über Ausschreibungen in Polen und den andeÂ
ren MOEL.
Da die Durchführung aller dieser Aktivitäten sicher die Kapazität der HandwerksÂkammer Cottbus übersteigt, sollte soweit wie möglich die Zusammenarbeit mit Außenwirtschaftsberatungsstellen der benachbarten Handwerkskammern und mit anderen relevanten Stellen gesucht werden. Von großer Wichtigkeit ist in diesem Zusammenhang auch die Einbindung in das bundesweite Netz von AußenwirtÂschaftsberatern im Handwerk.
> Förderung der Außenwirtschaftsaktivitäten von KMU
Um die Chancen auf dem polnischen Markt (und den anderen Märkten der MOEL) zu nutzen, sollten folgende Aktivitäten unbürokratisch gefördert werden, sofern dies nicht schon durch das EU-Förderprogramm für Grenzregionen möglich ist:
• Durchführung von Ländersprechtagen,
• Unternehmerreisen in die MOEL,
• Messebeteiligungen in den MOEL,
• Aufbau einer Außenwirtschaftsdatenbank und evtl. Kooperationsbörse,
• Erstellung handwerksrelevanter Markt- und Branchenstudien, Errichtung eines
Branchen-Informationsdienstes,
• Seminarangebot über Polen (Sprache, Mentalität, Geschäftsgepflogenheiten,
Steuer- und Gesellschaftsrecht),
• Maßnahmen zum Austausch von Führungskräften, Gesellen und Lehrlingen.
> Wiedereinführung bzw. Etablierungen von Unterstützungsprogrammen für KMU
auf EU- und Bundesebene
Die EU-Programme sind teilweise nicht handwerksgerecht, teilweise sind sie in den letzten Jahren abgeschafft worden (z.B. INTERPRISE, Europartenariat). Hier ist darauf hinzuwirken, dass geeignete Unterstützungsprogramme, insbesondere seitens der EU, wieder eingeführt und auch handwerksgerecht ausgestaltet werden.
> Realisierung einer rechtlichen Infrastruktur in Polen (und den anderen MOEL)
Die außenwirtschaftliche Betätigung deutscher Betriebe in den MOEL wird derzeit erheblich dadurch beeinträchtigt, dass dort noch keine vollständige Rechtssicherheit besteht bzw. keine Transparenz der Gesetzeslage vorhanden ist. Dies war für die befragten Handwerksunternehmen besonders wichtig. Erreicht werden könnte dies durch folgende Maßnahmen, wobei die Umsetzung möglichst sofort mit dem Beitritt erfolgen sollte:
• Anpassung von Vertragsrecht, Haftungsrecht,
• Anpassung des Bilanzrechts, der Bilanzierungsvorschriften,
• Erleichterungen beim Erwerb von Grundstücken, Immobilien für EU-Ausländer,
• Erleichterung und Beschleunigung von Genehmigungsverfahren,
• Abbau der Bürokratie und anderer Hemmnisse für die Wirtschaft.
Klaus Müller und Kathleen Bang
An der empirischen Erhebung bei polnischen Handwerkern haben überproportional viele größere Handwerksunternehmen teilgenommen; kleinere Betriebe zu erreiÂchen, gestaltete sich als außerordentlich schwierig. Einige Ergebnisse der Erhebung sind auch widersprüchlich. Daher ist es schwierig, ein eindeutiges Bild über die Betroffenheit des polnischen Handwerks durch den EU-Beitritt Polens zu gewinnen.
Insgesamt ist die wirtschaftliche Situation der polnischen Handwerksunternehmen derzeit kaum besser als die ihrer deutschen Kollegen. Die zurückgehende Nachfrage in Folge der konjunkturellen Abschwächung belastet die Betriebe ebenso wie der harte Preiswettbewerb und die schlechte Zahlungsmoral. Die wirtschaftliche PerÂspektive wird vor allem durch die ungeklärte Finanzierungsfrage beeinträchtigt. Wegen der sehr hohen Realzinsen und der geringen Eigenkapitalquote stellt die FiÂnanzierung von Investitionen ein sehr großes Problem dar. Hinzu kommt, dass der Staat die Betriebe bislang nicht - anders als in Deutschland - durch DarlehensproÂgramme unterstützt.
Vom EU-Beitritt erwarten die Betriebe keine entscheidende Verbesserung ihrer ökonomischen Situation. Sie wissen aber, dass sie sich erheblich umstellen müssen, um auf dem Europäischen Markt konkurrenzfähig sein zu können. Das bedeutet für die Betriebe erhebliche Anpassungs- und Modernisierungsinvestitionen vor allem auch deshalb, um die von der EU vorgegebenen Standards (bspw. zum Um
weltschutz) und Normen (bspw. zur Produktsicherheit) einhalten zu können. Sie möchten Rückstände im Know-how und in der Betriebsausstattung möglichst schnell aufholen, um dem Handwerk aus dem westlichen Ausland ebenbürtig zu sein. Um die hierfür notwendige Unterstützung leisten zu können, ist die HandÂwerkskammer leider viel zu schwach. Daher hoffen die Betriebe auf Hilfen der EU.
Vor diesem Hintergrund stellt der EU-Beitritt Polens für die Handwerker eine erÂhebliche Motivation dar. So ist es nicht erstaunlich, dass etwa 40 % der befragten Betriebe angaben, sich auf den EU-Beitritt vorzubereiten, wobei dies vor allem die größeren Betriebe sind. Dieser Anteil ist erheblich höher als bei den deutschen Handwerkern (8,3 %), deren Anpassungsbedarf allerdings auch längst nicht so hoch ausfällt. Die polnischen Handwerker wissen, dass sie sich nur durch eigene Anstrengungen gegenüber der Konkurrenz von Anbietern aus dem Westen auf ihÂrem heimischen Markt behaupten können. Dabei werden als Wettbewerber weniger Handwerksbetriebe aus Deutschland als Großunternehmen befürchtet. Hier besteÂhen vor allem bei den Nahrungsmittel- und Metallhandwerkern große Ängste, da besonders bei den Bäckern und Fleischern in Polen die Konzentration noch längst nicht so fortgeschritten ist wie im Westen.
Insgesamt werden von den polnischen Handwerkern fast ebenso so große negative Auswirkungen auf den heimischen Markt erwartet wie von den deutschen HandÂwerkern, und die EU-Osterweiterung wird bei Abwägung aller Vor- und Nachteile auch eher als Risiko (43 %) denn als Chance (26,9 %) gesehen.
Das heißt jedoch nicht, dass mögliche Chancen nicht im Blickfeld der Betriebe lieÂgen. Zwar sind die Handwerker sehr unsicher, ob sie letztlich auf dem EU-Markt Fuß fassen können, denn bislang ist das polnische Handwerk eher lokal oder regioÂnal orientiert. Nennenswerte Verflechtungen auf dem polnischen Binnenmarkt sind selten anzutreffen. Trotzdem weisen bereits einige Handwerksunternehmen AusÂlandserfahrungen auf, wobei hier der deutsche Markt eindeutig Priorität besitzt. DaÂbei wird die Tätigkeit in Deutschland nicht immer legal ausgeübt (vor allem bei Privataufträgen), denn durch die bislang nicht umgesetzte Dienstleistungsfreiheit ist es den polnischen Handwerkern nicht möglich, in der EU Montage- und InstalÂlationsarbeiten zu erbringen. Dies bedeutet für das polnische Handwerk deshalb eine besondere Beeinträchtigung, weil es sich gerade im Bau- und Ausbaubereich (Treppen, Fenster, Maurerarbeiten) die größten Chancen auf dem deutschen Markt verspricht. Nach Ablauf der bis zu sieben Jahre dauernden Übergangsregelung in diesem Bereich ist daher ein erhebliches Engagement im Nachbarland zu erwarten.
An Formen der Zusammenarbeit mit deutschen Firmen, die über einen reinen ExÂport und Import hinausgehen, besteht - ähnlich wie bei den deutschen Unternehmen - weniger Interesse. Man bevorzugt eher eine lose Form der Zusammenarbeit, vielÂleicht noch eine Tätigkeit als Subunternehmer für eine deutsche Firma (besonders im Baugewerbe), ist aber auf jeden Fall an einem Technologie-Transfer interessiert. Eine Ausnahme bildet die kleine Gruppe der Textil- und Lederhandwerker. Einige dieser Betriebe sehen in einem Joint Venture mit einem deutschen Unternehmen die einzige Perspektive, um auf dem Markt zu überleben.
Die Dominanz des deutschen Marktes ist hauptsächlich auf die relativ geringen Entfernungen zurückzuführen. So wird auch von den polnischen Handwerkern eine Tätigkeit in Deutschland am ehesten im grenznahen Raum oder in Berlin angeÂstrebt. Der Süden und der Westen Deutschlands stellen mit Ausnahme der MetallÂhandwerker nicht die primäre Zielrichtung dar.
Eindeutige Unterschiede zwischen den Handwerkern aus dem polnischen Teil der Euroregion Spree-Neiße-Bober und den Handwerkern aus den anderen Kammerbezirken konnten aus den vorliegenden Ergebnissen nur begrenzt herausgearbeitet werden. Die Handwerker aus dem Bezirk Zielona Göra, dem polnischen Teil der Euroregion Spree-Neiße-Bober sind jedoch in Bezug auf den EU-Beitritt Polens vergleichsweise optimistisch. Bei ihnen halten sich die erwarteten Chancen und Risiken in etwa die Waage (34,8 % zu 36,8 %). Dagegen sind die Handwerker aus Warschau eher pessimistisch gestimmt. Im hart umkämpften Hauptstadtmarkt haben sie vor allem Angst vor der starken Konkurrenz aus dem Ausland. Bei ihnen dominieren daher die Risiken eindeutig.
Klaus Müller und Kathleen Bang